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Einblick in die Arbeit des hauptamtlichen Gerätewarts

„Alles andere als Routine“

6. Oktober 2015: Seit Juni hat die Freiwillige Feuerwehr Weinstadt einen hauptamtlichen Gerätewart. Dieser kümmert sich darum, dass Fahrzeuge und Geräte stets voll einsatzbereit sind – keine leichte Aufgabe bei einem Fuhrpark von 17 bis unter das Dach beladenen Einsatzfahrzeugen. Hinzu kommen natürlich auch Einsätze, zu denen der Gerätewart als ehrenamtliches Mitglied der Feuerwehr ausrückt.

Es war schon ein eigenwilliger Moment – 24 Jahre lang ist Michael Ellwanger bereits ehrenamtlicher Feuerwehrmann in Weinstadt und hat in diesem Jahr die Aufgabe des hauptamtlichen Gerätewarts übernommen. In der Jugendfeuerwehr ging es für ihn los, mit 18 der Übertritt in die aktive Wehr, seit 2011 stellvertretender Abteilungskommandant in Großheppach. Am 1. Juni stand er vor dem Rathaus in Beutelsbach und trat seinen neuen Job an. Unter dem Arm ein kleines, natürlich rotes Notizbuch, das schon vor dem ersten Dienstantritt gefüllt war mit Aufgaben und Ideen. „Da ich unsere Feuerwehr kenne, konnte ich mir schon vorab viele Gedanken machen, wie man den Job am besten angeht und was erste Priorität hat“, erklärt der 34 Jährige.

Erste Woche: Kennenlernen

Los ging es also am Montag mit einer Begrüßung im Rathaus durch den bereits bekannten Vorgesetzten und Kommandanten der Feuerwehr Weinstadt Stefan Schuh sowie Ordnungsamtsleiter Jürgen Leibing. Ein fertiger Einarbeitungsplan lag schon auf dem Schreibtisch im Dachgeschoss der Traubenstraße 2. „Es war mir sehr wichtig, dass der neue Gerätewart zunächst alle wichtigen Personen und Abläufe, die für eine Aufgabe relevant sind, kennenlernt“, so Stefan Schuh. „Deshalb auch der ausführliche Einarbeitungsplan.“ Weiter ging die Vorstellungstour auch in der übrigen Woche ebenso wie die ersten Besprechungen: Wie sollen die Aufgaben zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Gerätewarten verteilt werden? Welche Themen und Aufgaben geht man priorisiert an? Und auch eine erste Dienstfahrt zum Feuerwehrfahrzeughersteller Magirus in Ulm stand auf dem Programm. Dort wurde der Rohbau des neuen Löschgruppenfahrzeugs für die Abteilung Schnait abgenommen.

Zweite Woche: Über den Tellerrand schauen

In der zweiten Woche stand die internationale Messe „Interschutz“ in Hannover auf dem Programm des neuen Gerätewarts. Schließlich ist es wichtig auf dem neuesten Stand zu bleiben, wenn es um Technik und Fahrzeuge geht. Zurück in Weinstadt wurde auch gleich selbst Hand angelegt. Im neuen Einsatzmittellager im Endersbacher Feuerwehrhaus mussten Regale aufgebaut werden. Dort ist nun die zentrale Logistik für Verbrauchsgüter wie Atemluftflaschen oder Masken untergebracht. Das erleichtert die Koordination zwischen den fünf Abteilungen und dem Gerätewart, der immer den Überblick behalten muss.

Dritte Woche: Auswärts

Michael Ellwanger (rechts) zu Gast beim Waiblinger Geräteverwalter.

Was hauptamtliches Personal bei der Feuerwehr angeht, kann Weinstadt noch auf wenig Erfahrungen zurückblicken. Seit 2008 gibt es einen hauptamtlichen Kommandanten, alles Weitere war bisher ehrenamtlich geregelt. Also schadet es nicht, sich einmal anzusehen wie es umliegende Städte machen, die bereits seit Längerem hauptamtliche Gerätewarte haben. Für Michael Ellwanger bedeutete dies: auf zur Feuerwehr Waiblingen. Fünf Tage lang schaute er Geräteverwalter Ulrich Aldinger und Kommandant Jochen Wolf über die Schulter, um die dortigen Abläufe kennenzulernen. Schließlich muss man das Rad ja nicht zwei Mal erfinden.

Selbstverständlich blieb es nicht bei fleißigen Notizen im roten Buch, sondern Ellwanger packte gleich mit an. Da staunten die Waiblinger Feuerwehrleute auch nicht schlecht, als bei einem Brandmeldealarm auf einmal ein Feuerwehrmann mit „Feuerwehr Weinstadt“ Rückenaufschrift im ersten Löschgruppenfahrzeug saß und sich mit Atemschutz ausrüstete. Kommandant Wolf übernahm auf der Anfahrt zum Einsatzort kurzerhand die Vorstellung des „Interimsmitglieds“, schließlich versteht man Feuerwehrleute, die gerade eine Atemschutzmaske aufsetzen, so schlecht. Weiter ging es in Waiblingen mit einem Besuch der BOSCH-Werkfeuerwehr, einer Brandverhütungsschau und einer Vorbesprechung des Sicherheitskonzepts des Altstadtfests. „Ulrich Aldinger gab mir zahlreiche Tipps und beantwortete sehr geduldig meine vielen Fragen. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch heute haben wir regelmäßig Kontakt und tauschen uns bei auftretenden Fragen oder Problemen miteinander aus. Die Feuerwehrler halten halt einfach zusammen“, so Ellwanger.

Vierte Woche: Von Atemschutzmasken und Schläuchen

Auch in der vierten Woche war der Weinstädter Gerätewart zunächst Gast bei einer anderen Feuerwehr: In der Fellbacher Atemschutzwerkstatt wurden Atemschutzflaschen neu befüllt und Masken gewartet. Auch die Feuerwehr Weinstadt bringt ihre Atemschutzausrüstung zur Wiederbefüllung und Wartung dorthin – daher ist ein guter Kontakt zu den Kollegen vor Ort und geregelte Abläufe sehr wichtig. Weiter ging es für einen Tag in der Schorndorfer Schlauchwerkstatt – auch dort finden sich Weinstädter Schläuche, die nach jedem Einsatz gewaschen und geprüft werden – schließlich sind die Schläuche ein wichtiger Teil der Lebensversicherung der Einsatzkräfte.

Fünfte Woche: Routine?

Michael Ellwanger montiert eine neue Halterung für Handfunkgeräte in der Weinstädter Drehleiter.

In der fünften Woche war das rote Notizheft schon gut gefüllt mit weiteren Ideen und Aufgaben. Nun ging es an die Priorisierung. Blickt man heute in die Aufschriebe, markieren viele Farben die Wichtigkeit einzelner Punkte. Das Thema Atemschutzgeräte, die für Brand und Gefahrguteinsätze gebraucht werden, ist dabei stets rot markiert. „Dieses Thema hat für mich eine hohe Priorität“, so Ellwanger. „Schließlich hängt das Leben der Einsatzkräfte ganz unmittelbar von dieser Technik ab.“ Daher war es ihm wichtig, zunächst alles zu prüfen und die Vorgänge in den einzelnen Abteilungen zu vereinheitlichen – schließlich haben die ehrenamtlichen Gerätewarte neben ihrem regulären Beruf all die Jahre bereits eine sehr gute Vorarbeit geleistet und diese gilt es nun, noch besser aufeinander abzustimmen.

Inzwischen sieht man Michael Ellwanger regelmäßig in den fünf Weinstädter Feuerwehrhäusern. Wenn er beispielsweise mit großem Elan und zusammen mit den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten (was er in seiner Freizeit immer noch ist) noch donnerstags um 18:45 in der Drehleiter sitzt, um „noch schnell“ neue Ladehalterungen für die Funkgeräte einzubauen. Alles andere als Routine und viel Herzblut also im Job des Gerätewarts.

Die Zukunft: intensiv!

Während inzwischen so manches „To-Do“ im roten Buch abgehakt ist, so kommen täglich neue hinzu. Und auch so manche Fortbildung steht für Michael Ellwanger noch auf dem Programm. Beispielsweise in Ulm zum Thema Wartung von Drehleitern oder in Günzburg zum Thema Wartung und Prüfung tragbarer Leitern. Es ist also wie so oft bei der Feuerwehr: Langweilig wird es nie!

Von links: Kommandant Stefan Schuh, Gerätewart Michael Ellwanger zusammen mit den beiden Waiblinger Geräteverwaltern Ulrich Aldinger und Uli Haller und dem Waiblinger Kommandanten Jochen Wolf.
Von links: Kommandant Stefan Schuh, Gerätewart Michael Ellwanger zusammen mit den beiden Waiblinger Geräteverwaltern Ulrich Aldinger und Uli Haller und dem Waiblinger Kommandanten Jochen Wolf.
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